Eingewöhnung

Die Eingewöhnung in der Tagespflege ist für alle Beteiligten sehr aufregend.

Das vielleicht noch sehr kleine Kind gewöhnt sich an eine neue Umgebung, an andere Kinder und natürlich an die Tagesmutter. Diese bemüht sich aktiv um den Beziehungsaufbau zum Neuankömmling und verinnerlicht sofort Eigenheiten, Vorlieben und Abneigungen und versucht, die passenden Rahmenbedingungen für ein gutes Ankommen zu schaffen.
Und die Eltern? Oft bin ich die erste Person außerhalb der eigenen Familie, der die Eltern ihr Kind anvertrauen, meist geht der Eingewöhnung bei mir eine sehr intensive Eltern- und Familienzeit voraus und auch den Eltern steht nun wieder ein neuer Lebensabschnitt bevor. Auch Eltern sollen also mit „eingewöhnt“ werden in die Veränderungen, die anstehen.

Ich bemühe um eine Rundumversorgung aller Beteiligten.
Natürlich liegt mein Fokus darauf, eine Beziehung zum Kind aufzubauen und ihm eine erste Orientierung in meinem Haus und in der Gruppe zu ermöglichen. Trotzdem nehme ich nach Möglichkeit Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse und Situationen der gesamten Familie.

Und genau deshalb ist die oft gestellte Frage „Wie läuft eigentlich eine Eingewöhnung bei dir?“ gar nicht so leicht zu beantworten.
Grundsätzlich gewöhne ich langsam und schrittweise ein. Nach den ersten Kennenlerngesprächen kommt das Kind mit einem Elternteil mehrmals zum Schnuppern vorbei. Dabei erkunden die Eltern erst aktiv mit dem Kind das Haus und ziehen sich langsam Mal für Mal ein wenig zurück, damit ich Kontakt zum Kind aufnehmen kann. Wenn es sich bei mir wohlfühlt und auch die Eltern genug Vertrauen aufgebaut haben, folgt die erste kurze Trennung; einige Minuten bleibt das Kind dann alleine bei mir, während die Eltern vor der Türe in Reichweite warten. An der Reaktion des Kindes auf die Verabschiedung kann man meist schon den weiteren „Fahrplan“ ablesen, denn ab jetzt richtet sich das Tempo ganz nach dem Kind. Schrittweise bleibt es immer länger bei mir, isst mit uns und findet seine passende Mittagsschlafroutine.
Das geht manchmal sehr schnell, manchmal dauert es unerwartet lange – vorhersagen kann man das leider nie so genau. Im Schnitt vergehen vom ersten Alleinbleiben bis zum ganzen Tag bei mir etwa 2-3 Wochen.

Übrigens:
Mit der Routine kommt meist auch nochmal ein kleiner Rückschlag. Nach 4-6 Wochen werden die Kinder beim morgendlichen Abgeben oft noch einmal merklich quengeliger. Der Alltag bei mir ist anstrengend für die Kleinen und wir Erwachsenen haben ja morgens auch nicht immer Lust, in die Gänge zu kommen.
Das ist völlig normal und geht in der Regel nach 1-2 Wochen wieder vorüber.
Natürlich gibt es auch immer mal Kinder, denen der Abschied von Mama oder Papa noch sehr lange jeden Morgen schwerfällt. Meist beschränkt sich das auf die Situation selbst und sobald die Türe ins Schloss fällt, wird fröhlich gespielt. In solchen Fällen sprechen wir zusammen über mögliche Routinen, die allen den Abschied und das Ankommen erleichtern.