Pikler

„Jedes Kind braucht seinen Fähigkeiten entsprechend angemessenen Raum; allerdings immer groß genug, den nächsten Entwicklungsschritt zuzulassen.“
(Emmi Pikler, 1902-1984)

Die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler revolutionierte Mitte des 20. Jahrhunderts die Säuglingspflege in Europa mit ihren Erkenntnissen darüber, welche zentrale Rolle Kinder selbst bei ihrer Entwicklung spielen:

„Ein Säugling fördert sich selbst von früh bis spät.“
„Jedes Kind hat sein eigenes Zeitmaß der Entwicklung. Seine Autonomie, Individualität und Persönlichkeit können sich entfalten, wenn es sich möglichst selbstständig entwickeln darf.“

Piklers Erkenntnisse und Ideen für die pädagogische Praxis habe ich 2010 nach der Geburt meines ersten Kindes kennengelernt und schließlich 2019 in einem mehrmonatigen Kurs fundiert vertieft.

Für meine Kindertagespflege habe ich die folgenden Grundsätze Piklers übernommen:

  1. Achtsame Pflege
    Pflegehandlungen am Kind geschehen nicht gegen seinen Willen, sondern vertrauensvoll, achtsam und unter seiner aktiven Mitwirkung. Wickeln, Umziehen, Händewaschen und Essenssituationen sind Momente, in denen die Kinder meine volle Aufmerksamkeit und Zugewandtheit möglichst exklusiv bekommen. Es sind Momente der Kommunikation, in denen Beziehungen aufgebaut und gestärkt werden.
  2. Freie Bewegungsentwicklung
    Kinder sollen sich als aktive Gestalter*innen ihrer Entwicklung wahrnehmen und Vertrauen in das eigene Können entwickeln. Ich gebe ihnen hierzu Raum, Zeit, Vertrauen und Zuspruch.
  3. Vorbereitete Umgebung
    Jede Spielumgebung wird so vorbereitet, dass sie anregend wirkt und Kinder aktiv altersangemessene Erfahrungen machen können. Spielmaterialien sind zumeist offen und erlauben freies Experimentieren. Durch genaues Beobachten kann ich gezielt Materialien anbieten, die dem Entwicklungsstand der Kinder entsprechen und mit denen sie selbstständig und gefahrlos umgehen können.
  4. Fester Tagesablauf
    Kinder kennen keine Uhrzeit, sie erkennen aber Rhythmen. Unser Tagesablauf ist fest strukturiert, damit die Kinder eine Orientierung im Alltag haben und wissen, was als nächstes passiert. Der Rhythmus wird bestimmt von den Bedürfnissen der ganzen Gruppe. Innerhalb dieser Tagesstruktur ist dann aber durchaus Raum, um mal eine halbe Stunde länger als sonst auf dem Spielplatz zu sein.
  5. Meine Rolle als Tagesmutter
    Als erwachsene Beziehungsperson bin ich stets zugewandt und offen, ich sehe und begleite die Kinder in ihrem Handeln und bereite die Umgebung anregend vor. Ich biete Verlässlichkeit und Rückhalt, erkenne Bedürfnisse und reagiere darauf. Ich koordiniere die Gruppe, biete den Rahmen für das Erlernen sozialer Interaktionen und leite ruhig und gelassen durch den Tag.

„Kinder sind Forscher und Gestalter ihrer Lebenswelt. Erzieherinnen müssen den Rahmen zur Verfügung stellen, den Kindern bei der Auseinandersetzung mit der Welt zu helfen, damit sie sich entfalten können.“