Haltung und Anspruch

 

„Ach, du passt doch nur so ein bisschen auf Kinder auf!“

Ich bin Quereinsteiger in die Pädagogik.
Trotzdem (oder gerade deswegen) habe ich hohe Ansprüche an mich selbst und meine Arbeit. Neben der Vielzahl an Fort- und Weiterbildungen, die ich regelmäßig besuche, machen mich vor allem mein Menschenbild und meine generelle Haltung zu Konflikten aus.

Partizipation:
Kinder lernen bei mir von Beginn an, dass ihre Meinung etwas zählt. Im Alltag gibt es viel zu entscheiden: Was wird wann mit wem gespielt? Wohin gehen wir heute? Was kochen wir? Wie viel esse ich? Wann und wie schlafe ich?
Ich beziehe die Kinder nicht nur in die Abläufe ein, sie bestimmen die Abläufe mit. Sei es dadurch, dass ich mich bemühe, ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu achten oder auch ganz explizit, indem sie mir sagen, was sie möchten und was nicht.
Manches kann und soll jeder für sich alleine entscheiden, z.B. mit welchen Materialien er wann spielen möchte.
Manches entscheiden wir zusammen und versuchen gegebenenfalls, Kompromisse oder Vereinbarungen zu treffen, z.B. was gekocht wird oder ob wir in den Garten oder auf den Spielplatz gehen.
Mitentscheiden zu dürfen fördert das Selbstwertgefühl, soziale Kompetenzen und nicht zuletzt auch ein grundlegendes Demokratieverständnis.
Ich gebe nur den äußeren Rahmen vor und versuche, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Die Ausgestaltung unserer Abläufe soll so gut es geht von den Kindern mitbestimmt werden.

Inklusion:
Jedes Kind hat naturgemäß ein eigenes Tempo, eigene Stärken und Schwächen, eigene Interessen und einen eigenen Kopf. Alles davon hat seine Berechtigung und verdient Achtung und Rücksichtnahme.
Ich bemühe mich, auf die individuellen Bedürfnisse aller Kinder gleichermaßen einzugehen. Sofern ein Kind körperliche Einschränkungen oder erhöhten Förderbedarf mitbringt, kann ich in Absprache mit dem Jugendamt die Gruppengröße (z.B. auf 3 Kinder) reduzieren oder zusätzliche Unterstützungen in Anspruch nehmen, um optimale Voraussetzungen für die gesamte Gruppe zu bieten. Die konkrete Umsetzung ist natürlich einzelfallabhängig und muss jeweils sehr genau mit den Eltern erarbeitet werden.
Dass Inklusion ein Menschenrecht ist, nehme ich sehr ernst. Ich bin fest davon überzeugt, dass von der Schaffung sinnvoller Strukturen und Systeme die gesamte Gesellschaft profitiert. Deshalb ist es für mich selbstverständlich, im Rahmen meiner eigenen Möglichkeiten an der Schaffung ebendieser Strukturen mitzuarbeiten und mich dafür einzusetzen, wo immer es mir möglich erscheint.

Beobachtung und Dokumentation:
Beobachtung und Reflexion gehören für mich zu den wesentlichsten Bestandteilen meines Berufes. Ich habe den Anspruch, jedes Kind sehr genau im Blick zu haben. Das bedeutet keinesfalls, dass ich jedem Kind ständig über die Schulter schaue, ich finde es sehr wichtig, dass Kinder sich unbeobachtet fühlen und völlig unbedarft spielen dürfen. Es heißt aber, dass ich den Entwicklungsstand in allen Bildungsbereichen „auf dem Schirm habe“ und auch dokumentiere. Daraus ergeben sich für mich selbst Impulse für die weitere Arbeit mit den Kindern: Für Ausflüge, für Themen und kleinere Projekte, für Umgestaltung der Räume.
Dieses sehr bewusste Beobachten und Reagieren versuche ich oftmals nicht zu offensichtlich werden zu lassen. Ich möchte eine möglichst ungezwungene Umgebung für Eltern und Kinder schaffen, die aber dennoch zielgenaue Anreize für weiteres, spielendes Lernen schafft und einen möglichst hohen Geborgenheits-Faktor mit sich bringt.
Neben der Dokumentation des konkreten Entwicklungsstandes im Detail mache ich mit Erlaubnis der Eltern fortlaufend Fotos der Kinder, die in Fotomappen gesammelt werden. Diese veranschaulichen sehr deutlich die Entwicklung im Ganzen und sind eine tolle Erinnerung an eine intensive, gemeinsame Zeit mit der Gruppe. Die Mappen nehmen die Kinder schließlich als Abschiedsgeschenk mit.

Elternarbeit:
Ich beschränke mein tägliches Tür- und Angelgespräch nicht auf Nahrungsaufnahme, Verdauung und Schlaf. Das widerstrebt meinem Selbstverständnis völlig, denn ich verwahre Kinder ja nicht nur, ich begleite sie aktiv und liebevoll durch den Tag. Dementsprechend nehme ich mir morgens beim Bringen so gut es geht einige Minuten Zeit für die Eltern, in denen sie erzählen können, wie der vergangene Nachmittag, das Wochenende oder die Nacht mit dem Kind waren. Zum Abholen am Mittag / Nachmittag erzähle ich, womit das Kind über Tag besonders beschäftigt war, an wem es sich derzeit sehr orientiert oder woran es besondere Freude hatte.
Ausführlichere Elterngespräche führe ich nach Möglichkeit und Wunsch einmal pro Halbjahr, sowie wenn besonderer Bedarf besteht.

Konfliktmanagement:
Die Kindertagespflege bringt naturgemäß ein sehr enges Verhältnis zwischen Kindern, Eltern und Tagespflegeperson mit sich.
Konflikte zwischen mir und den Kindern löse ich so gut es geht unter Beachtung der Prinzipien der Partizipation. Für Konflikte zwischen Kindern und Eltern habe ich stets ein offenes Ohr und kann, wenn gewünscht, Denkanstöße geben oder zu einem Perspektivwechsel anregen. Für sehr spezielle oder schwierigere Fälle vermittle ich gerne Kontakt zu verschiedenen Beratungsstellen und Hilfsangeboten, zu denen ich oftmals schon persönlichen Kontakt in früheren Fällen hatte.
Konflikte zwischen den Eltern und mir werden aufgrund der Enge der Zusammenarbeit nie ganz ausbleiben können. Ich sehe das durchaus auch als Bereicherung an, denn es hilft, starre Muster im eigenen Handeln zu vermeiden und sich selbst auch an unbequemen Stellen zu reflektieren.
Ich versuche, Reibungspunkte möglichst sensibel zur Sprache zu bringen und gemeinsam zu erörtern. Durch meine Qualifikationen im Bereich der lösungsorientierten Beratungsarbeit habe ich einen guten Überblick über Methoden und Maßnahmen zur Konfliktbewältigung. Eine Vielzahl der Fälle lässt sich damit sehr zufriedenstellend lösen. Falls doch einmal darüber hinaus Klärungs- oder Moderationsbedarf bestehen sollte, kann die Fachberatung des zuständigen Jugendamtes hinzugezogen werden.

Zusammenarbeit mit der Fachberatung:
Ich stehe in regem Kontakt mit dem Jugendamt, das mich regelmäßig auch innerhalb meines Tagespflegebetriebes besucht. Individuelle Gespräche zur Klärung allgemeiner und spezieller Fragen sind mir ebenso wichtig wie die Inanspruchnahme von Angeboten für alle Tagespflegepersonen, wie z.B. Tagespflegetreffen, Supervision oder Fortbildungen.

Vernetzung:
Ich habe sehr engen Kontakt zu anderen Tagespflegepersonen, mit denen ich mich regelmäßig treffe und austausche. Auf diese Weise entsteht ein Netzwerk, das mir hilft, pädagogisch wertvolle Arbeit zu leisten. Weiterhin erlaubt es langfristig, Vertretungsmöglichkeiten zu schaffen, um ungeplante Ausfälle abzufangen. Für geplante Ausfälle (wie beispielsweise Fortbildungstage) arbeite ich derzeit an einer Vertretungslösung in meinen eigenen Räumlichkeiten, so dass die Kinder in gewohnter Umgebung und Gruppe zusammenbleiben können und eine allen bekannte andere Tagesmutter die kurzfristige Betreuung übernimmt.